Mühlen Modellbau
 

Modell einer holländischen Schnupftabak Mühle aus dem Jahr 1766.

Beschreibung ◊ Details des Modells ◊ Weitere Projekte ◊   

Mühlen Startseite ◊ Impressum ◊ Home ◊ shop ◊   

     
 

Beschreibung
der Windmühle

Das Modell
Der Schnupftabak
Die Herstellung
Die Vorbilder








Bücher über
Windmühlen

Windmühlen im Wandel der Jahrhunderte (Sondereinband) 
	  von Wolfgang Fröde, Susanne Bartsch-Nagi, Josef Bieker
ansehen / bestellen

Umfassende Beschreibung mit vielen farbigen Fotos der Windmühlen im Rheinland von Emmerich bis Köln.





Windmühlen im Wandel der Zeiten (Gebundene Ausgabe) 
	  von Eugen Ernst
ansehen / bestellen

Mühlen - viel mehr als nur noch attraktive Ausflugsziele! In diesem umfassenden, aufwändig bebilderten Band präsentiert Eugen Ernst Mühlen in allen Erscheinungsformen, Traditionen und Funktionen im Wandel der Zeiten.











Valid CSS!

Valid HTML 4.01


 

Beschreibung des Modells der Windmühle,
der Vorbilder und der Herstellung des Schnupftabak

Das Modell der Windmühle

ist aus Holz, bis zum First der Kappe 38cm hoch und zeigt eine typische Galerieholländermühe mit achteckigem Grundriss. Der Durchmesser der beiden Flügelpaare beträgt 44 cm, die Höhe bis zur Flügelwelle 38cm. Der Boden der Galerie liegt 13,5cm über dem Boden des Unterbaus, bei einem Durchmesser von 35cm. Der Unterbau ist an der tiefsten Stelle 21cm breit, der Drehkranz der Kappe hat noch 12cm Durchmesser. Der Maßstab ist ca. 1:44.

Erstellt wurde das Modell in der Zeit von 2004 bis 2006 aus einem Bausatz der Firma "Authentic Shipmodels Amsterdam" aus den 1980er Jahren. Dem Modell liegt, trotz der Jahresangabe 1766, wohl keine konkrete Windmühle zu Grunde. Vielmehr sollte der Typ der Schnupftabakmühle mit stehenden Mühlsteinen (Läufer) dargestellt werden, wie er in Nord Holland an der Zaan häufig anzutreffen war. Das Modell war als Konstruktionsmodell ohne jede Verkleidung konzipiert.

Dem Bausatz lag jedoch ausreichend Material bei, sowie eine kurze Beschreibung der geklinkerten Beplankung des Unterbaus und des mit Reet oder Schilf gedeckten Oberteils der Windmühle. Die Verkleidung wurde nur auf drei der acht Seiten angebracht, um den Blick ins Innere der Mühle freizugeben. Das Schilf wurde mit Hilfe von ca. 350 kleinen Bündeln aus Schweineborsten dargestellt. Die Kappe hat ein geteertes Dach.

Gesamtansicht des Modelles der Windmüle, Fotos: Reulen Ansicht der verkleideten Seite des Modelles der Windmüle, Fotos: Reulen
Ansicht der verkleideten Seiten der Mühle.
Für eine Größere Ansicht Bild anklicken!

Ansicht der offenen Seite des Modelles der Windmüle, Fotos: Reulen Aufriss des Ständerwerkes
 Unverkleidete Mühlenseite

Schnupftabakmühlen und Schnupftabak

In der viersprachigen (NL/GB/D/F) Bauanleitung schreibt der Hersteller zur Geschichte der Vorbilder: Als, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, das Schnupfen von Tabakpulver, in allerhand Arten und Duftnoten, in ganz Europa immer beliebter wurde, und zwar besonders in den "höheren Kreisen" und bei den wohlhabenden Bürgern, da konnten die Apotheker — von alters her die Lieferanten von Tabakerzeugnissen — der Nachfrage nicht mehr nachkommen. Das Tabakzermahlen in Handmörsern ging viel zu langsam, also versuchte man es mit Hilfe von Wind und Wasser. Hier gab es gute Chancen für die Holländer:

Wind gab es fast immer und außerdem besaßen die Holländer durch ihre mächtigen Handelsflotten der vereinigten Ostindischen und der Westindischen Handelsgesellschaften seit dem 17. Jahrhundert praktisch ein Welthandels– und Transportmonopol für tropische Erzeugnisse. Als logische Folge dessen entwickelte sich in Holland eine Industrie, in der alle diese Rohstoffe und Produkte bearbeitet bzw. verarbeitet wurden. Eine Entwicklung, in der die ständig verbesserten Industriewindmühlen eine immer wichtigere Rolle spielten. Durch Segelschiffe und durch die Windmühlen füllten sich die Geldbeutel der holländischen Bürger.

Auch der Schnupftabak wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts in vielen meist kleinen Windmühlen hergestellt. Diese Mühlen zermahlten den aus Südamerika stammenden Tabak. Besonders an der Zaan waren viele Schnupftabakmühlen in vollem Betrieb. Der dort produzierte Schnupftabak ließ nicht nur die Niederländer niesen, sondern wurde auch zu einem wichtigen Exportartikel. Von diesem Export profitierten ebenfalls die Töpfer in Delft, wo man besonders schöne Schnupftabakdosen und Tabakstöpfe aus dem berühmten "Delftsblauw" produzierte. Auch diese Erzeugnisse fanden Ihren Weg in ferne Länder.

Mühle an der Zaan, Foto: www.industriemolen.nl

Mühle an der Zaan, Foto: www.zaansemolen.nl

Karte der Zaanse Schans, Bild: www.zaansemolen.nl
Windmühlen an der Zaan

Der Herstellungsprozess

Die erste Phase der eigentlichen Schnupftabakherstellung bestand aus dem Zerkleinern der Tabakblätter und der Stängel, die — stark zusammengepresst — in Fässern angeliefert wurden. Dies aber erst, nachdem eine große Vorbearbeitung in meistens größeren Mühlen, die daneben auch Holz zur Gewinnung von Farbpigmenten zermahlten, stattgefunden hatte. Während dieser Vorarbeit wurden die Tabakbündel und Ballen in der "Kapperei" in einem rotierenden Bottich von fallenden Hackmessern zerhackt.

Die zweite Bearbeitungsstufe war die "Stampferei". In den Stampfblöcken, dicken, ausgehöhlten Klötzen aus Eichenholz, zerkleinerten die herunterfallenden scharfen Hackmesser die Tabakmasse nochmals.

Nachdem der so zerkleinerte Tabak geschüttelt und gesiebt und evtl. abermals gestampft worden war, wurde der Tabak schließlich zu Pulver zermahlen und zwar durch zwei umlaufende Mühlsteine, Läufer oder Laufsteine genannt. Durch die Beimischung von Farbstoffen und aromatischen Ölen ließen sich allerhand Schnupftabak Spezialitäten herstellen.

Billiger Schnupftabak wurde aus den Tabakstängeln hergestellt, für die teuren Sorten aber war der so genannte "Karottentabak" der Rohstoff. Diese "Karotten" bestanden aus Tabakblättern ohne Stängel und Rippen, die mit einer dünnen Schnur eng zusammen gebunden wurden. Diese karottenförmigen Bündel wurden aber erst nach einem langjährigen Reifungsprozess verarbeitet. Bekannte holländische Schnupftabaksorten waren:

  •  Straßburger,
  •  St. Domingo,
  •  Rappé,
  •  Bergamot,
  •  Violet und
  •  Bon Tabac d´Hollande.

In den großen Mühlen befand sich die Kapperei und die Stampferei mit dem schweren Stampfblock und den herunterfallenden Hackmessern, Läufer oder Laufsteine in den alten Schnupftabakmühlen.

Stampferei einer deutschen Hanfmühle De Zoeker, Foto: www.industriemolen.nl

Stampferei der Mühle De Schoolmeester, Foto: www.zaansemolen.nl
Stampferei und Kapperei

Vertikale Mühlsteine, Läufer genannt
Läufer oder Laufsteine

Die Windmühlen an der Zaan

Die Außenseiten der "Zaanse Molen" wurden traditionell in klaren Farbtönen gestrichen. Das so genannte "Zaanse — Grün" gab es in drei Abstufungen: Dunkel–, mittel– und hellgrün. Dabei begann man unten mit dunkelgrün und endet oben mit hellgrün. Weitere Farben waren: Weiß, schwarz, ein wenig rot und blau.

Türen, Fenster und Fensterrahmen waren weiß und rot. Der Steertbalken und die Strebebalken waren grün gestrichen, die Hirnholzflächen rot und weiß verziert. Traditionell wurde der Windbalken in der Haube blau gestrichen, teilweise sogar mit Wolken bemalt. Windtür, Windbretter und Saumlatten waren schwarz, die Windbrettleisten weiß. Der Flügelwellenkopf war weiß oder grün, die Mitte häufig rot verziert. Die Galerie wurde mit braunem Teer gestrichen. Weiterführende Informationen finden Sie auf folgenden Seiten:

Blauer Windbalken der Mühle, Foto: www.zaansemolen.nl
Farbgebung der original Windmühlen
Windbalken   —  Türen  —  Fenster

Farbgebung der Mühlentür, Foto: www.industriemolen.nl Farbgebung der Mühlenfenster, Foto: www.industriemolen.nl

 
     

   © 2006 by Georg Reulen •  modellbau@reulen.de   www.reulen.de